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3 Kultursoziologische Interpretation

Tätigkeiten, die im Haushalt anfallen, werden zwar als ,,Hausarbeit`` bezeichnet, als tatsächliche Arbeit werden diese jedoch nicht anerkannt. Scheinbar mühelos - so wird auch durch das analysierte Bild vermittelt - geht alles von der Hand, nicht zuletzt auch aufgrund technischer Errungenschaften, die im Grunde alles ,,wie von selbst`` erledigen.

Hausarbeitszeitberechnungen zeigen jedoch ein anderes Bild, als jenes, das nur allzu gerne vermittelt wird: Trotz zunehmender Erwerbstätigkeit von Frauen ist die Menge der Zeit, die für Hausarbeit aufgewendet wird, gestiegen. Ausschlaggebend dafür sind höhere Ansprüche an Sauberkeit und Hygiene, wie auch größere Wohnflächen pro Person und eine größere Anzahl an Zweitwohnsitzen. Zwar ist die Beteiligung von Männern im Haushalt mittlerweile auf rund 28% gestiegen, Hausarbeit ist jedoch nach wie vor Frauenarbeit, für die z. B. eine verheiratete Frau mit Kindern im Durchschnitt täglich rund 6,5 Stunden aufwendet. Eine zusätzlich erwerbstätige Frau kommt im Schnitt auf einen Arbeitstag von (Erwerbs- und Hausarbeit) von 9 Stunden 41 Minuten.268

Auch der Einsatz von Technologien im Haushalt führt nicht - wie oftmals angenommen - unweigerlich zu einer Reduktion von Hausarbeit, vielmehr tragen diese zu einer steigenden Erwartung an die Rolle der Hausfrau bei.269 Auch das Phänomen, daß manche Haushaltsgeräte dazu beigetragen haben, ,,die Zeit, die Männer mit Hausarbeit zu verbringen, [zu] vermindern und die Frauenhausarbeit [zu] erhöhen``270 (z. B. durch Geschirrspüler und Müllschlucker), muß in Betracht gezogen werden.

Werbung streitet jede Arbeit, die Frauen im Haushalt leisten müssen, schlichtweg ab oder sie wird lächerlich gemacht.271 Auch das analysierte Bild transportiert die Darstellung der müßigen Frau, die sich im gemütlichen Heim mit einer Frauenzeitschrift ins Sofa kuschelt. Haushalt wird in der Werbung dargestellt als ,,ein Ort puren Vergnügens, von gehobenem Lebensstil und ,Liebe` - jedenfalls nicht von Arbeit, die die meisten Frauen selbstverständlich täglich dort leisten.``272

Hinzu kommt, daß, selbst wenn Frauen nicht ,,arbeiten``, sie als nicht in der Lage dargestellt werden, die Zeit ,nützlich`. intellektuell bereichernd zu verbringen. Vielmehr wird im analysierten Bild durch den Satz ,,Jetzt bleibt mir mehr Zeit für die wirklich wichtigen Dinge im Leben`` und die gleichzeitige Abbildung einer eine Frauenzeitschrift lesenden Frau zynisch vermittelt, daß Frauen ihre Lebensschwerpunkte ihrem geringen Intellekt entsprechend setzen. Wieder eine Ausrede mehr, Frauen nicht als Gleichberechtigte anzusehen, sondern sie wie einen geistlosen Haufen von Menschen zweiter Klasse zu behandeln.

Ein möglicher Ansatz hierzu ist, daß durch das Wesen der Hausarbeit selbst die Verankerung der Frau im Privaten verstärkt wurde. So meint Christina Thürmer-Rohr, daß durch die Zuweisung der Frau zum ,,Reproduktionsbereich`` und durch Behauptungen, dies wäre passend für das ,,Wesen`` und die ,,Natur`` der Frau

,,nicht nur die ideologische Gewalt im Denken über die Frau, sondern das Gewordensein der Frau selbst [zu beklagen sei]. [...] Frauen sind geworden, wie die Hausarbeit und die Arbeit am Mann es braucht.``273
Thürmer-Rohr nennt als Merkmale der Hausarbeit ,,Kurzfristigkeit, Gebrauchswert, Wiederholung, Überschaubarkeit, eine gewisse Selbststeuerung, Ichbezug``274 und argumentiert, daß dieses ,,Erbe der Hausarbeit`` eine derartige Prägewirkung auf die Person und deren Einstellung zur Welt haben, daß sie ,,mit dem durchhaltenden Engagement für eine politische Idee, der hartnäckig bleibenden Kritik an einem umfassenden Unrecht schwer zu vereinbaren [sind].``275

Durch Vorspiegelung, Hausarbeit sei einerseits im Wesen der Frau natürlich verankert, andererseits jedoch im Grunde entspanntes Nichtstun, wird auf breiter Ebene ein Bild von faulen Frauen gezeichnet, die das wenige, das sie überhaupt noch zu erledigen hätten, nun auch noch den Männern (Stichwort ,,Halbe-Halbe``) aufbürden wollen.


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