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8 Das Objekt

Der Typus Objekt ist gekennzeichnet dadurch, daß der in der Werbung abgebildete Frauenkörper mit einem Produkt gleichgestellt oder verglichen wird. Die Frau, die diesen Typus verkörpert, wird entpersonalisiert und dient ausschließlich als Projektionsfläche für jene Eigenschaften, die mit dem zu bewerbenden Produkt verbunden werden sollen.

Hinzu kommen bei diesem Typus symbolisch tragende Elemente, die die Frau in die Nähe der Natur rücken. Es werden in diesem Vorgehen Zartheit und Schutzbedürftigkeit der Frau betont und deren Abhängigkeit vom Wohlwollen und Schutz anderer, besonders vom Mann, herausgestrichen.

Die Frau als Abbild des sinnlich Wahrnehmbaren und ihre symbolische Zuweisung zur Natur spiegelt sich also im Typus Objekt wieder. Durch die Gleichstellung der Frau mit dem zu bewerbenden Produkt, das gleichermaßen Natur in sich trägt, wird nicht nur allein die Objektstellung selbst, als auch die Positionierung der Frau in der Naturhaftigkeit festgeschrieben. Aufgrund dieser Zuweisung wird ein Frauenbild konstruiert, das diese als triebhaft, außerhalb des Intellekt stehend und auf einer, dem Mann untergeordneten Entwicklungsstufe befindend, zeichnet.

Christiane Schmerl spricht von jenen Bildern der Gleichsetzung oder des Vergleichs von Frauen mit Konsumartikeln als eine typische Präsentationsform von Werbung.244. Aus der Gleichstellung der Frau mit Objekten welcher Art auch immer resultiert eine Verdinglichung245 und Entpersonifizierung einerseits, wie auch eine Erotisierung und Emotionalisierung von Konsumartikeln andererseits246: Frauen werden nicht als Individuen wahrgenommen, sondern als eine Masse von Wesen gesehen, die auseinander zu halten nicht lohnenswert erscheint.

Auch beim analysierten Typus wird die abgebildete Frau beispielsweise durch den Vergleich mit einer nebenstehenden Mohnblume auf ihre äußere Hülle reduziert. Die Frau als Person interessiert nicht, sondern ihr Schmuckstückcharakter wird hervorgehoben, dessen Wert vor äußeren Einflüssen behütet werden muß. Der weibliche Körper

,,soll nicht Ausstrahlung einer Subjektivität sein, sondern nur ein in seiner Immanenz ruhendes Ding; er soll keine Beziehung zur übrigen Welt haben, nicht etwas anderes als sich selbst versprechen: er soll das Begehren auf sich ziehen und in sich enden lassen.``247

Gleichzeitig wird die untergeordnete Rolle der Frau weiter betont und durch Verwendung herkömmlicher Inszenierungsmacharten gerechtfertigt: am Boden kauern, schutzbedürftig wirken, ängstlich den Blick abwenden.

,,Auf dem Boden sitzende, kauernde, liegende Frauen sind [...] Legion. Der Boden ist ein idealer Ort, um Frauen als ,niedrigere` Wesen darzustellen.``248

Auch Goffman249 weist darauf hin, daß Frauen öfter als Männer am Boden oder in Bodennähe abgebildet werden. Er betont, daß diese Position einerseits mit einem niedrigen sozialen Status verbunden wird, andererseits, daß eine liegende oder hockende Stellung

,,am wenigsten geeignet [ist], um aus ihr zur physischen Selbstverteidigung überzugehen, und daher macht sie einen vom Wohlwollen der Umgebung abhängig.``250

Auf diese Weise werden Frauen als schutzbedürftig, zerbrechlich und zart gezeichnet; sie wirken abwesend, aber auch physisch am Rande der Situation stehend: Sie gehören eigentlich nicht dazu, obwohl sie in der Situation anwesend sind, sie sind ausgeschlossen.

,,Frauen werden [...] häufiger als Männer in Haltungen abgebildet, die sie psychisch aus der vorliegenden sozialen Situation entrücken und sie in dieser orientierungslos und daher wahrscheinlich auf den Schutz und das Wohlwollen der anderen angewiesen erscheinen lassen, die zugegen sind (oder sein könnten).``251

Der Status, der dem Typus Objekt zugesprochen wird, manifestiert sich auch durch das Element des abgesenkten Blickes, der insofern die Geschlechterhierarchie ausdrückt, als der Frau auf diese Weise eine untergeordnete und unterwürfige Rolle zugesprochen wird. Denn der gerade, herausfordernde Blick, selbst wenn er negativ bewertet wird, der Blick der abmißt, bewertet, aufdringlich ist und auszieht, wird als Angelegenheit des Mannes angesehen.252

,,So sprechen denn auch Psychoanalytikerinnen [...] davon, daß ein Gefühl uneingeschränkter Berechtigung Voraussetzung für einen direkten, geraden Blick ist.``253


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