Im Mittelpunkt dieses Typus stehen die symbolischen Elemente der Enthemmung und der kaum zu sättigenden Gier. Symptomatisch dafür zeigt dieser Typus die ungezügelte Frau, die stark hexenhafte Züge trägt und vor Genuß und Rausch vom Boden abgehoben ist und am Himmel schwebt. Es wird darauf hingewiesen, daß der Flug der Frau eine Abwärtsbewegung beschreibt, daß der Rausch, der durch die Erfüllung der Gier und der daraus resultierenden Enthemmung erstens bald vorbei ist und zweitens die völlige Enthemmung, die bei diesem Typus auch von stark sexuellen Komponenten getragen wird, gesellschaftlich nicht positiv konnotiert wird. Der Typus der ,,lustigen`` Frau scheint nur auf den ersten Blick offensiv und für sich alleine selbstbewußt zu agieren, indem sie für sich Befriedigung sucht. Durch gleichzeitige Infantilisierung und Sexualisierung, wie auch des Lächerlichmachens durch die Inszenierungsart eines Comics repräsentiert dieser Typus viele der klassischen Weiblichkeitsklischees, die noch weiter ins Negative verzerrt werden.
,,Typisch weibliche Unarten``, wie sie Christiane Schmerl236 bezeichnet, werden von der Werbung schon seit den frühen 70ern strapaziert, um Produkte möglichst wirksam anpreisen zu können.
Schmerl zählt als jene ,,Unarten``, die bevorzugt in der Werbung anzutreffen sind, Fettleibigkeit und Gefräßigkeit (oft gewürzt mit einer ,,komischen`` Komponente) und ,,zügelloser Hang zum Luxus, maßlose Verwöhntheit und Gier nach teurem Schmuck``237 , genauso wie Unfähigkeit, Unpünktlichkeit, etc.
In eine ähnliche Kerbe schlägt der Typus der ,,lustigen`` Frau. Im Mittelpunkt steht die Frau als enthemmtes und gieriges Wesen, das sich nicht zurückhalten kann, gewürzt mit verschiedenen anderen Elementen: die Frau wird als hexenhaftes Wesen dargestellt, sie wirkt aggressiv und triebhaft, ungezügelt, sie zeigt starke Elemente der Sexualisierung, gleichzeitig wird sie auch als ein nicht ernstzunehmendes, lächerliches Objekt gezeichnet, das vor dem urteilenden (moralisierenden) Auge des (männlichen) Betrachters nicht bestehen kann.
Im analysierten Bild wird die Frau als hexenhaftes Wesen abgebildet - ihre flammendroten Haare und ihr ,,Schwebezustand`` - sie fliegt. Hexen wurden bezichtigt,
,,ein Bündnis mit dem Teufel eingegangen zu sein, aber dahinter stand auch die Vorstellung, daß es genügte, ein solches Bündnis zu schließen, um fliegen zu lernen.``238
Die roten Haare einer Frau genügten oftmals,
,,eine Frau als Hexe zu verdächtigen. Selbst das Verbrennen einer Hexe im roten Feuer war noch mit der Rot-Symbolik verbunden, da man dem Feuer Vernichtungs- aber auch Läuterungskraft zutraute.``239
Meist steht als einer der Grundzüge des Dämonisierungsprozesses von Weiblichkeit das Bild des Mannes als Opfer weiblicher Verführung und Triebhaftigkeit.240 Bereits in antiker und christlicher Mythologie wird ein Bild der Frau gezeichnet, die durch ihre Gier den Mann (und damit die gesamte Menschheit) ins Verderben stürzt.241. Das Konzept dieser Femme fatale setzt sich weiter fort, z. B. in der Romantik und in der Jahrhundertwende, wo die verruchte Frau, die Verführerin des Mannes in krassem Gegensatz zu positiv konnotierten Attributen von Weiblichkeitsstilisierungen steht. Pohle wertet das Konstrukt der Femme fatale als Reaktion auf jene Frauen, die sich von den bürgerlich-patriarchalen Vorgaben nicht eingrenzen ließen:242
,,Indem die gemeinhin zum Objekt degradierte Frau aus der Rolle der Objekthaftigkeit heraustritt und nun ihre männlichen Partner zu Objekten macht, verstößt sie gegen die Grundregeln patriarchaler Gesellschaftsstrukutren.``243
Durch den Typus der ,,lustigen`` Frau wird das Thema der Femme fatale wieder aufgenommen, allerdings mit - entsprechend scheinbarer ,,political correctness`` - mit einem ,,Trick``: Die negativ besetzten Elemente der Gier, der Enthemmung und der Dämonisierung werden dadurch abgeschwächt transportiert, daß der Typus der ,,lustigen`` Frau als Witz, als etwas Nicht-Ernstzunehmendes gegenläufig gezeichnet wird. Gleichzeitig wird allerdings dadurch dieser Typus als Gesamtes auf eine Position des Lächerlichen gestellt und vermittelt, daß es nicht nur weibliche Unarten gibt, sondern die Frau selbst eine Unart ist, über die im besten Fall gelacht werden sollte.