Die jugendliche Frau entspricht allen gängigen Schönheitsidealen, sie ist zart und makellos schön und soll in ihrer Abbildung als Vorbildfunktion fungieren. Entsprechend sämtlichen Attributen, die gemeinhin Jugend und Agilität zugesprochen werden, hat auch die jugendliche Frau ein gewisses Kraftpotential, auf das sie zu ihrem Schutz zurückgreifen kann. Dieses wird jedoch gleichermaßen abgeschwächt und zurückgenommen: Die Frau kann sich, selbst wenn sie sich bewußt gegen äußere Einflüsse jeder Art (Gewalteinwirkungen, Veränderungen, Zeit, etc.) zur Wehr setzen will, nicht auf ihre eigene Stärke verlassen: ihre Kräfte sind unzureichend, sie benötigt Unterstützung.
In dem Maße, wie die jugendliche Frau als vorbildhafter Anspruch an alle Frauen fungieren soll, die Werte körperlicher Jugend hochzuhalten, wird Alter als Zeichen des Verlustes von Agilität und Lebensfreude gleichgesetzt. Die Jugend des Körpers wird als Voraussetzung dafür gesehen, den gesellschaftlich hoch besetzten Werten der Schönheit entsprechen zu können. Dadurch, daß vermittelt wird, Jugend sei ausschließlich eine Frage des Willens und der hinwendungsvollen (Körper-) Pflege, wird Alter mit Nachlässigkeit und Faulheit gleichgesetzt und tabuisiert.
Jugend/Jugendliches Aussehen und Agieren sind relevante Themen der aktuellen westlichen Gesellschaft. Ewige Jugend kann bis zu einem gewissen Grad als Ausdruck eines Wunsches des Menschen gesehen werden, sich den Naturgesetzen nicht mehr beugen zu müssen, die Natur vielmehr dermaßen zu gestalten, daß diese dem Willen des Menschen/des Mannes in einem patriarchalen System unterliegt und sich ihm zu beugen hat. Der Traum von Unvergänglichkeit und ewiger Existenz birgt den Wunsch, die Sterblichkeit zu überwinden und in ewiger Jugend am Leben teilzunehmen.223
Eine dermaßen hochgespielte Überbewertung von Jugendlichkeit birgt andererseits Tabuisierung von Tod und Alter:
,,Der physische Niedergang im hohen Alter - und der damit verbundene Hinweis auf den Tod - wird auf Abstand gehalten und in ferne Länder verwiesen.``224
Jugend birgt Vorstellungen von Kraft und Stärke ebenso wie ihr eine gewisse Wildheit, Ungezügeltheit einerseits, Gelassenheit im Umgang mit Unvorhergesehenem andererseits zugesprochen wird.
So wird denn auch der jugendlichen Frau, bzw. jener Frau, an die der Anspruch gestellt wird, sich ihre Jugend zu erhalten, ein gewisses Kraftpotential zugestanden, gleichzeitig wird jedoch offensichtlich gemacht, daß ihre Kräfte unzureichend sind und sie deshalb als zartes Wesen dargestellt wird.
Mühlen-Achs weist darauf hin, daß in medialen Inszenierungen verstärkt auf Frauen in solchen Posen gesetzt wird, die auf den ersten Blick Durchsetzungskraft und Aggressivität vermitteln sollen:
,,Allerdings wird schon auf den zweiten Blick deutlich, daß damit nicht unbedingt Aspekte von Selbstbewußtsein oder Dominanz in die Weiblichkeitsdarstellung integriert werden sollen. Diese werden vielmehr durch gleichzeitige Infantilisierung oder Sexualisierung der Darstellung weitgehend zurückgenommen.``225
Auch der Typus der jugendlichen Frau trägt diese Elemente in sich. Durch Verwendung von Zeichen wie beispielsweise jenes eines leicht geöffneten Mundes wird der Anschein trotzigen Verhaltens vermittelt - ein Verhalten, das Kindern zugeschrieben wird - andererseits erfolgt durch die Verwendung von Abbildungen mit nackter Haut sowohl eine Sexualisierung als auch die Betonung der Schutzlosigkeit. Weiters ,,neigen Frauen in der Zeitschriftenwerbung dazu, die Hände geöffnet zu halten, die Finger gespreizt (besonders den kleinen) und die Gelenke locker``226 , was bezüglich des Falles des ,,Jugend-Bildes`` darauf hinweist, daß der Schutz, den sich diese Frau geben kann, durchlässig und daher nicht ausreichend ist.
In diesem Punkt tritt die Wissenschaft auf den Plan: Als Vertreterin eines - zumindest historisch gesehen - zutiefst patriarchalen Systems, wird sie, im Konvolut mit der kosmetischen Industrie als Substitut für jene Kräfte angesehen, die der Frau fehlen, um sich gegen die Zeichen des Alters zu wappnen. Unter Bereitstellung scheinbar objektiver Fakten wird deren Wirksamkeit und Kompetenz als Garantie- und Gütesiegen angepriesen.