Die Entwicklung, die Frauen sukzessive vom öffentlichen, politischen und geschäftlichen Leben auszuschließen, fand nicht nur in den Köpfen von Philosophen und Naturwissenschaftern statt, sie wurde parallel von realen gesellschaftlichen Transformationen begleitet, hervorgebracht und unterstützt.
Besonders das 18.Jahrhundert war eine Zeit des gesellschaftlichen Umbruchs. Die ständische Ordnung lockerte sich, die Macht der Königshäuser wurde verstärkt angezweifelt und das Bürgertum wurde immer mehr zu einer starken Macht in der gesellschaftlichen Ordnung. Durch die erste Industrielle Revolution wurde dem bis dato vorherrschenden Merkantilismus die neue Form des Wirtschaftsliberalismus gegenübergestellt. Diese Wirtschaftsform veränderte nicht nur das Arbeitsleben als Gesamtes, sie verstärkte auch vehement die geschlechtliche Arbeitsteilung, die - als idealtypische Konstruktion - Frauen für reproduktive, Männer für produktive Arbeiten vorsieht.
Die Entstehung der bürgerlich-industrialisierten Gesellschaft und die Auslagerung der Produktion aus dem Heim in die Fabrik ab Ende des 18.Jahrhunderts forcierte die Zuweisung von Frauen zur privaten und reproduktiven Sphäre. Solange der Haushalt als Arbeitseinheit galt, war zumindest die räumliche Trennung der Arbeitsbereiche von Männern und Frauen kaum gegeben. Handwerkerfamilien hatten ihre Werkstätten im Haus, oft arbeiteten die Frauen gemeinsam mit ihren Männern an der Produktion. Sie erlernten das Handwerk durch die gemeinsame Arbeit und führten die Betriebe nach dem Tod ihrer Männer auch oft eigenständig weiter. Frauen waren zwar in erster Linie für Haushalt und Kinder verantwortlich, oft war es jedoch notwendig (besonders in landwirtschaftlichen Betrieben), in den anderen Arbeitsbereichen mitanzupacken. Auch noch in der Frühphase der Industriellen Revolution wurde in Heimarbeit die maschinelle Warenproduktion erledigt:
,,[...]die ganze Familie machte Akkordarbeit und unterstand der Autorität des Mannes, der der Haushaltsvorstand war. Er verhandelte mit den Kapitalisten, wies die Arbeitsaufgaben zu und verteilte die Löhne.``80
Durch die fortschreitende Verlagerung der Produktionsstätte in die Fabriken war die Familie nun keine Wirtschaftsgemeinschaft mehr, der Arbeits- und Wohnbereich wurden voneinander getrennt, ebenso wie die Zuständigkeitsbereiche einen großen Einschnitt erfuhren.
In der Schicht des entstehenden Bürgertums war der Mann alleine für die Erwerbstätigkeit verantwortlich, das Einkommen der bürgerlichen Familie war meist groß genug, um die Frauen außerhalb der Lohnarbeit zu halten.
,,Die Frau wurde ausschließlich für den privaten Bereich des Mannes zuständig und erhielt somit eine Ergänzungsfunktion. Von der Arbeitswelt ausgegrenzt, konnte sie, als Gegenpol zur öffentlichen Geschäftigkeit, eine empfindsame Gefühlsfähigkeit entwickeln. Sie sollte das stabile Zentrum für eine Welt bilden, die aus den Fugen zu geraten drohte.``81
Die Polarisierung Lohnarbeit - Hausarbeit führte in weiterer Folge auch zur Hierarchisierung, da die beiden Arbeitsformen keinesfalls als gleichwertig angesehen wurden. Der Mann als lohnbringender Haushaltsvorstand konstituierte sich als übergeordnetes Wesen gegenüber der in die Privatsphäre verbannten Frau.