Schön aber geistlos - so könnte man die verschiedenen Aussagen und Meinungen diverser Philosophen, Schriftsteller und Staatsmänner der vergangenen Jahrhunderte zu den Fähigkeiten der Frau zusammenfassen.
Immanuel Kant verfaßte 1764 seine Schrift ,,Beobachtungen über das Gefühl des Schönen und Erhabenen``, worin er sich über ein ganzes Kapitel hinweg den Geschlechtsunterschieden widmet:
,,Das Frauenzimmer hat ein angebornes stärkeres Gefühl für alles, was schön, zierlich und geschmückt ist. Schon in der Kindheit sind sie gerne geputzt und gefallen sich, wenn sie geziert sind. Sie sind reinlich und sehr zärtlich in Ansehnung alles dessen, was Ekel verursacht.``74
Kant trifft die Kategorienunterscheidung des ,,Schönen`` und des ,,Erhabenen``: das Schöne erfährt Zuweisung zur Weiblichkeit, es ist zuständig für die Beförderung des Lebens und des Wohlgefallens, allerdings in einer rein passiven Rolle: alle zugeschriebenen Aufgaben werden vollkommen interesselos erfüllt. Das Erhabene hingegen stellt Kant auf die Seite des Männlichen, es erweckt ein Gefühl der Achtung, es ist die wesentliche Substanz dessen, was den Menschen - den Mann - ausmacht. Zwar gesteht Kant auch dem Schönen ein wenig des Guten und Wahren zu, jedoch nur in Verbindung mit rein sinnlichen Aspekten. Verbindet sich Gutes und Wahres hingegen mit dem Erhabenen, dann entsteht die Fähigkeit zur Vernunft und vernunfthaftem Handeln.
Der Frau wird durch diese Trennung des Schönen und Erhabenen als außerhalb der Vernunft stehendes Wesen definiert. Ihre Eigenschaften und Attribute sind jene der Reinlichkeit, der Schamhaftigkeit, munterer Naivität und reizender Freundlichkeit, wohingegen dem edlen Geschlecht tiefer Verstand, Bescheidenheit und edles Zutrauen attestiert werden. Kant setzt einen prinzipiellen Geschlechterdualismus voraus, er spricht von dem ,,reizenden Unterschied [...], den die Natur zwischen zwei Menschengattungen hat treffen wollen.``75
Schönheit als Attribut des Weiblichen, der Frau, ist also etwa ab der zweiten Hälfte des 18.Jahrhunderts festzumachen. Rita Freedman76 datiert die Geburtsstunde des ,,schönen Geschlechts`` mit der französischen Revolution und den damit im Zusammenhang stehenden Umwälzungen der gesellschaftlichen und sozialen Struktur. Der Platz des Mannes verlagerte sich vom Salon ins Büro oder in die Fabrik, dementsprechend veränderte sich auch der Anspruch an die Kleidung: nicht mehr üppig, sondern praktisch und zweckmäßig sollte sie sein, kosmetische Rituale wurden als ,,weibisch`` abgetan. Freedman verbindet die Französische Revolution daher auch mit einer ,,Wendung zum Maskulinen``77:
,,Sie demonstrierten ihren Reichtum nicht mehr offen an ihrem eigenen Körper, sondern schmückten statt dessen ihre Frauen mit Juwelen und Pelzen. So wurde Schönheit zum Vorrecht und zum Laster der Frauen.``78
1878 schrieb Friedrich Nietzsche, dessen zwiespältige und äußerst abwertende Haltung gegenüber Frauen bekannt ist:
,,Schöner ist das Frauenzimmer, interessanter ist - der Mann`79