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1 Frau als Natur - Die Naturwissenschaften

Francis Bacon (1561-1626), der als Gründervater der modernen Wissenschaft gefeiert wird, steht, wie jeder Wissenschafter, in seinem Forschungsansatz im Kontext seiner Zeit, der gesellschaftlichen Strukturen. Bacon wurde darüberhinaus auch stark durch die damals fundamentale katholische Kirche geprägt.68 Die gesellschaftlichen Transformationen des 17. Jahrhunderts, die unter anderem auch dahin führten, die Frau auf ihre Funktion als seelische Ressource ihres Mannes und als Fortpflanzungsobjekt zu reduzieren, spiegeln sich sowohl in Bacons Diktion als auch in seiner angestrebten Vorgehensweise der Erforschung der Natur wieder, genauso wie auch die Hexenverfolgungen und -verbrennungen durch die Kirche ihre Spuren in Bacons Texten hinterlassen.69,,Die Bilderwelt des Weiblichen``70, die Frau als Natur, das Natürliche als das Weibliche zieht sich als Gesamtkonzept durch Nova Atlantis und andere Werke Bacons. Seine Forderung ist, der Natur ihre letzten Geheimnisse zu entreißen, sie mit mechanischen Vorrichtungen zu foltern, die in ihrer Bildhaftigkeit stark an die Verhöre der Hexenprozesse erinnern, oder, allgemeiner, an Vergewaltigungsszenarien durch den Mann als Wissenschafter, dem durch seinen Status alleine jedes Vorgehen zugestanden wird:

,,Die Hemmungen vor der Zudringlichkeit, die aus der Klage der Natur um ihr zerrissenes Gewand der Sittsamkeit sprachen, haben sich in die sprachliche Legitimation von Ausbeutung und ,Vergewaltigung` der Natur zum Wohl des Menschen verwandelt.``71

Die Notwendigkeit der Beherrschung der Natur zum Wohl der Menschheit dient als Rechtfertigung jeder Vorgangsweise. Ziel von Bacons Utopie einer Gesellschaft unter wissenschaftlicher Führung ist schlußendlich, manipulativ in natürliche Vorgänge einzuwirken, um künstliche Pflanzen und Tiere zu erschaffen, der Wissenschafter, der gleich ist ,,einem Priester, der die Macht besitzt, alles Elend des Menschen durch Wissenschaft zu beseitigen``.72

Auch Carl von Linné, bekannt durch seine Klassifikationssysteme von Tieren und Pflanzen, die teilweise bis heute Geltung haben, wurde in seiner Einstufung der Botanik und der Fauna von seinem gesellschaftlichen Umfeld und dessen Vorstellungen geprägt. Linné schuf den neuen Begriff der ,,Säugetiere`` für die Klassifikation der Gattung der höchstentwickelten Tiere. Säuge- beziehungsweise Brusttiere als höchste Klasse, weil im Linnéschen Umfeld die auf Bevölkerungsexpansion ausgerichtete Gesellschaft des 18.Jahrhunderts einen Schwerpunkt auf die Wichtigkeit der mütterlichen Reproduktivität setzte, und die Aufzucht durch die mütterliche Brust auch in der Klassifikation des Tierreichs als bedeutungsstärkstes Modell fortgesetzt wurde. Einerseits wurde somit durch das Linnésche Modell die Wichtigkeit der weiblichen Reproduktionsfähigkeit und -notwendigkeit naturwissenschaftlich einzementiert, andererseits wurde zusätzlich die Frau wiederum in die Nähe des Tierreichs gerückt.73


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