,,Bei Erwachsenen werden, wo immer Männer und Frauen einander von gleich zu gleich begegnen [...], Freundschaften zwischen den gender durch die Andeutung sexueller Anziehung unterminiert.``306ad 2) Frauen erhalten Zutritt zu Männerzirkeln, ,,wenn sie dieselben sozialen Merkmale aufweisen und entsprechend über Reichtum, Macht und soziale Stellung verfügen.``307 Das allein ermöglicht jedoch noch nicht einen Status, der Frauen Männern gegenüber als gleichberechtigt erscheinen läßt. es bedarf darüber hinaus einer Adaption männlich konnotierter Verhaltensweisen und Vorgehens einerseits, was beim analysierten Bild durch die Standfestigkeit in der Körperhaltung308 und einer gewissen Rücksichtslosigkeit und Ignoranz zum Vorschein kommt, andererseits dennoch einer geradezu zelebrierten Femininität bezüglich der äußeren Erscheinung (des ,,damenhaften`` Stylings).309 Frauen haben Minderheitenstatus, der als Karrierenachteil gilt, will eine Frau Status erlangen, ist Anpassung nötig, genauso wie auch ein gewisses Spiel mit der Außenseiterrolle. Sofern Frauen nicht ,,auf den Platz eines Publikums oder Sexualobjekts für die Männer verwiesen [sind]``310 , sondern sie es schaffen, in Spitzenpositionen und innere Zirkel zu gelangen, nehmen sie dort jedoch einen Status/eine Position ein, die Lorber311 in Anlehnung an Oswald Hall als ,,isolierte Einzelgänger`` bezeichnet (auch die Frau auf dem Bild hat eine isolierte Position):
,,Obwohl die inneren Zirkel im allgemeinen nach gender, Religion, Rasse, Ethnizität, Bildung und Klassenherkunft homogen sind, können einige wenige Personen mit abweichenden sozialen Merkmalen Aufnahme finden, wenn sie von einer Respektsperson gefördert werden und demonstrieren, daß sie in jeder Hinsicht so sind wie alle anderen.``312
Als ein weiterer Aspekt der Analyse kommt zum Vorschein, daß in der kapitalistischen Gesellschaft über eine primäre Bedürfnisbefriedigung hinaus äußerliche Ästhetik hohen Rang und große Bedeutung inne hat. In Anbetracht dessen treten Funktionalität (bei Objekten), Fähigkeit und Kompetenz (bei Menschen) oftmals in den Hintergrund. In Bezug zum analysierten Bild tritt der Aspekt der Dekoration dahingehend hervor, als daß die Frau als Dekorationsobjekt mit dem zu bewerbenden Produkt korrespondiert (in beiden Bedeutungen des Wortes). Insofern findet gewissermaßen eine Gleichsetzung der Frau mit dem Produkt statt. Christiane Schmerl bezeichnet diese Kategorie des absoluten Luxusgeschöpfes313 folgendermaßen: Ihre Darstellung sei nicht explizit beleidigend wie die offensichtlich frauenfeindlichen Darstellungen, mache jedoch implizit klar, daß Frauen zu einer Sonderklasse von Menschen zu zählen seien, unter anderem
,,durch die eindimensionale Reduzierung auf ,das schöne Geschlecht` und seine uralte Dekorationsfunktion. Die neue Frau - und das ist eben überhaupt nicht neu - wird als Verzierung verwendet.``314