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3 Kultursoziologische Interpretation

Luxus und Reichtum werden in alltagssprachlichen Konnotationen mit Prestige, Status und Macht in Zusammenhang gebracht. Doch wer hat Zutritt zu den Zentren der Macht, wer hat tatsächlich Status und erzielt daraus Anerkennung und Gewinn? Traditionsgemäß/Historisch gesehen war dieser Bereich Männern vorbehalten, die durch wirtschaftlichen Erfolg oder Erbschaft Zutritt zu jenen Bereichen hatten. Der Einfluß männerbündischer Vereine, Clubs, Kamerad- oder Bruderschaften mag zwar auf gesamtgesellschaftlicher Ebene zurückgegangen sein, informelle Zirkel, deren Angehörige fast ausschließlich aus Männern bestehen, existieren nach wie vor. Lorber spricht in diesem Zusammenhang von ,,Homosozialität - Bündnisse von Männern gleicher Rasse, Religion und Klassenherkunft``.304
In jene wirklich prestigeträchtigen Arenen sind Frauen auf zwei Arten zugelassen und beide werden auf ambivalente Weise auch durch das analysierte Bild transportiert: 1) Als (Sex-)Gespielinnen oder 2) als jene, die es schaffen, die Gratwanderung zwischen männlichem Habitus, hoher fachlicher Kompetenz und dennoch stark nach außen getragener Femininität zu vollziehen305.
ad 1) Frauen werden als Aufputz, als Sexualobjekte angesehen, da dies ermöglicht, eine Quelle der Konkurrenz auszuschalten. Es werden fachliche, aber auch motorische Unfähigkeiten dargestellt (so beim analysierten Bild die Unfähigkeit, den Queue zu nutzen, ohne dem Tisch Schaden zuzufügen).
Männerbünde und Seilschaften sind klassische Bereiche männlich besetzter Vorherrschaft und der Betonung patriarchaler Werte. In diesem Zusammenhang werden Frauen als Unruheherd gesehen, würden sie über den Objektstatus hinaus wahrgenommen werden. Besonders durch die Betonung bzw. die Gleichsetzung von Frauen mit Sexualität wird so jener Argumentation eine Grundlage gegeben, die eine Rechtfertigung für die Erhaltung exklusiver Männerdomänen bietet: es wird argumentiert, daß Frauen aufgrund ihrer Sexualität eine zu große Ablenkung für Männer darstellen würden. Dieser Aspekt wird auch durch die Genderkonstruktion der Gesellschaft getragen:

,,Bei Erwachsenen werden, wo immer Männer und Frauen einander von gleich zu gleich begegnen [...], Freundschaften zwischen den gender durch die Andeutung sexueller Anziehung unterminiert.``306
ad 2) Frauen erhalten Zutritt zu Männerzirkeln, ,,wenn sie dieselben sozialen Merkmale aufweisen und entsprechend über Reichtum, Macht und soziale Stellung verfügen.``307 Das allein ermöglicht jedoch noch nicht einen Status, der Frauen Männern gegenüber als gleichberechtigt erscheinen läßt. es bedarf darüber hinaus einer Adaption männlich konnotierter Verhaltensweisen und Vorgehens einerseits, was beim analysierten Bild durch die Standfestigkeit in der Körperhaltung308 und einer gewissen Rücksichtslosigkeit und Ignoranz zum Vorschein kommt, andererseits dennoch einer geradezu zelebrierten Femininität bezüglich der äußeren Erscheinung (des ,,damenhaften`` Stylings).309 Frauen haben Minderheitenstatus, der als Karrierenachteil gilt, will eine Frau Status erlangen, ist Anpassung nötig, genauso wie auch ein gewisses Spiel mit der Außenseiterrolle. Sofern Frauen nicht ,,auf den Platz eines Publikums oder Sexualobjekts für die Männer verwiesen [sind]``310 , sondern sie es schaffen, in Spitzenpositionen und innere Zirkel zu gelangen, nehmen sie dort jedoch einen Status/eine Position ein, die Lorber311 in Anlehnung an Oswald Hall als ,,isolierte Einzelgänger`` bezeichnet (auch die Frau auf dem Bild hat eine isolierte Position):

,,Obwohl die inneren Zirkel im allgemeinen nach gender, Religion, Rasse, Ethnizität, Bildung und Klassenherkunft homogen sind, können einige wenige Personen mit abweichenden sozialen Merkmalen Aufnahme finden, wenn sie von einer Respektsperson gefördert werden und demonstrieren, daß sie in jeder Hinsicht so sind wie alle anderen.``312

Als ein weiterer Aspekt der Analyse kommt zum Vorschein, daß in der kapitalistischen Gesellschaft über eine primäre Bedürfnisbefriedigung hinaus äußerliche Ästhetik hohen Rang und große Bedeutung inne hat. In Anbetracht dessen treten Funktionalität (bei Objekten), Fähigkeit und Kompetenz (bei Menschen) oftmals in den Hintergrund. In Bezug zum analysierten Bild tritt der Aspekt der Dekoration dahingehend hervor, als daß die Frau als Dekorationsobjekt mit dem zu bewerbenden Produkt korrespondiert (in beiden Bedeutungen des Wortes). Insofern findet gewissermaßen eine Gleichsetzung der Frau mit dem Produkt statt. Christiane Schmerl bezeichnet diese Kategorie des absoluten Luxusgeschöpfes313 folgendermaßen: Ihre Darstellung sei nicht explizit beleidigend wie die offensichtlich frauenfeindlichen Darstellungen, mache jedoch implizit klar, daß Frauen zu einer Sonderklasse von Menschen zu zählen seien, unter anderem

,,durch die eindimensionale Reduzierung auf ,das schöne Geschlecht` und seine uralte Dekorationsfunktion. Die neue Frau - und das ist eben überhaupt nicht neu - wird als Verzierung verwendet.``314


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