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Die Frau, die von beiden dargestellten Personen eine zentrale Position einnimmt, ist gepflegt und stark geschminkt, In ihrem Gesicht wird der Mund stark hervorgehoben, er ist stark glänzend und geöffnet. Durch dessen Öffnung und die Ausrichtung zum Queue kann angenommen werden, sie würde eben den überschüssigen Kreidestaub, der zum Billardspielen auf die Queuespitze aufgetragen wird, herunterblasen. Durch die eindeutig phallische Form und die Mundhaltung (lasziv geöffnete, glänzend rote Lippen
Verweis auf orale Lust): Assoziation zu Fellatio, besonders dadurch, daß der Queue optisch zwischen ihren Beinen hervorragt.
Gleichzeitig hält sie ein Telefon ans Ohr, spricht aber nicht, andere Handlung geschieht eher beiläufig, nebenbei.
Die Kehle liegt frei und ist zum/r BetrachterIn hin bloß: sie lädt ein zum ,,Anbeißen``.
Das Kleid ist enganliegend, figurbetont und zeigt die Konturen eines am gängigen Schönheitsideal angepaßten Körpers bis hin zur Magerkeit. Die Schlichtheit des Kleides wird durch den tiefen Ausschnitt und silbern-metallisch besetzte Spaghetti-Träger gebrochen und lenkt den Blick aufs Dekolleté, der Brustansatz ist sichtbar
Ambivalenz, Spiel zwischen Verschlossenheit und Offenheit, Ver- und Enthüllen des Körpers
Die geformten Augenbrauen, enthaarte Achsel, dünner Körper, glatt frisierte Haare: die Frau verkörpert das gängige Schönheitsideal.
Sie trägt, bis auf ein Armband und Ohrstecker keinen Schmuck, der, den sie trägt, ist schlicht und unaufdringlich: Hinweis auf teure Stücke, wenige, aber dafür ausgewählte und exklusive Stücke. Insofern wird ein gewisser materieller Reichtum impliziert.
Die halb geschlossenen Augen deuten auf sinnliches Vergnügen und Genuß hin, das Gesicht ist entspannt, die Augen fokussieren die Spitze des Queues.
Das Telefon hält sie nur leicht ans Ohr, in Verbindung mit der restlichen Körperhaltung: Vermittlung von Ruhe und Gelassenheit, Entspanntheit. Interessant ist die stolze und aufrechte Körperhaltung, also jene, die in medialen Abbildungen Männern zugeschrieben wird301.
Die Gelassenheit wirkt wie die ,,Ruhe nach dem Sturm``: sie bläst zur Queuespitze hin, wie im Western eine Pistole nach dem Schuß ausgeblasen wird. Im Verbindung zum Riß im Billardtisch: Konnotationen zum vollzogenen Geschlechtsakt, sie beendet den Stoß durch Anblasen (im Sinne von Abkühlen)
Stoß: Billardterminus für das in Bewegung setzen der Kugel durch den Queue, sexuelle Metapher für Penetration der Vagina durch den Penis
Riß: Form erinnert an Vagina mit Schamlippen und Klitoris; der Riß bedeutet aber auch einen Hinweis auf das Unvermögen, die Unfähigkeit der Frau, Billard zu spielen und in Zusammenhang mit dem Gesichtsausdruck auch Desinteresse daran.
Billard: traditionellerweise ein Spiel, das in Männerclubs, ,,Spielzimmern`` der Männer gehobener Gesellschaftsschichten gespielt wurde: Hinweis auf den Versuch der Frau, in eine Männerdomäne einzudringen, sie beherrscht das Spiel aber nicht, sie ist erfolglos, unfähig.
Billard hat historisch eine weit zurückreichende Tradition als exklusives Spiel der Reichen (Männer) - ursprünglich war die weiße Kugel aus Elfenbein, die Banden des Tisches sind aus einem besonderen Material gefertigt, das Elastizität gibt - Man kann es nicht überall spielen, sondern ist auf einen speziellen Tisch mit besonderer Beschaffenheit angewiesen
Reichtum, Exklusivität, Oberschicht (jetzt weniger, aber historische Konnotation). Die Entwicklung des Spieles fand als ,,Indoor-Croquet`` statt, so hatten die Vorläufer des Queues eine plumpe, dicke Form - mace``. Später entwickelten sich schlankere Queues, die mehr Genauigkeit erlaubten. Deren Verwendung war aber nur Männern vorbehalten:
,,For a long time only men were allowed to use the cue; women were forced to use the mace because it was felt they were more likely to rip the cloth with the sharper cue.``302
Der Mann im Hintergrund trägt einen schwarzen Anzug, weißes Hemd und eine schwarze Fliege, wirkt wie eine Art Livree eines englischen Butlers, eines Dieners
Seine Hände/Arme sind nicht sichtbar, sie sind vermutlich hinten verschränkt
er ist zurückhaltend (sich selbst?)
graue Haare, Glatze, Schnurrbart und Bauchansatz verweisen auf ein gehobenes Alter. Sofern Agilität vorliegt und kein Zeichen geistigen Verfalls existiert, wird Alter mit Weisheit, mit dem Wissen um Sitten und Moral verbunden, in traditionellen Gesellschaften fungieren alte Männer und Frauen auch als Sittenwächter.
Der Mann ist weit im Hintergrund - er beobachtet aus der Ferne, Distanz
Sein Gesichtsausdruck zeigt Mißfallen: dies kann auf verschiedenes bezogen sein: - auf die Anwesenheit der Frau (Der Billardtisch und der ,,Butler`` erinnern an brit. Herrenclubs, in welchen die Anwesenheit von Frauen tw. nach wie vor untersagt ist), - auf den Riß im Tisch und die Unfähigkeit der Frau, die das Spiel nicht beherrscht, - in Zusammenhang mit den sexuell konnotierten Deutungsmöglichkeiten; auf den moralischen Verfall aufgrund sexueller Ungezügeltheit (die aber aufgrund der Nicht-Anwesenheit eines anderen Mannes ausschließlich wieder auf die Frau zurückgeführt wird)
Luxus und Reichtum wird oft mit Zügellosigkeit und Unmäßigkeit assoziiert
Die Farbe Weiß dominiert den Hintergrund - dadurch wird einerseits räumliche Weite vermittelt, durch die angedeuteten Gegenstände an den Seitenwänden ist zwar klar, daß es sich um einen Innenraum handelt, er hat jedoch nach hinten und oben hin keine weitere Begrenzung: er soll als sehr groß wahrgenommen werden
sehr große, aber dennoch beinahe leer Räume weisen auf materiellen Reichtum hin (es ist so viel Platz zur Verfügung, daß verschwenderisch damit umgegangen werden kann). Andererseits kontrastiert die Helligkeit die Figuren sehr stark, besonders das schwarze Kleid der Frau, die größenmäßig und positionsmäßig im Mittelpunkt des Bildes steht.
Schwarz symbolisiert Eleganz, Trauer, Dunkelheit, Verborgenheit, Unbekanntheit
Blau: ,,das dunkle Meeresblau (Ultramarin und Nachtblau, Indigo) [kann] als Farbe des Traumes, der Mystik, des Unbewußten [gelten]``303
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