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3 Kultursoziologische Interpretation

,,Frauen haben im Beruf nichts zu suchen und zu Hause nichts zu tun.`` So lautet der Titel eines Artikels von Eva Heller290, der - zumindest mit der ersten Hälfte des Titels - ziemlich genau auf den Punkt bringt, was im Kern die Einzelfallanalyse des Bildes ,,Erfolg`` ergab. Selbst im Jahr 2001, wo anzunehmen wäre, daß Frauen endlich als Gleichberechtigte im Beruf angesehen werden, wird durch die Darstellung von Frauen als Verkörperung der Inkompetenz jenes Konstrukt genährt, das Frauen entweder im häuslichen Umfeld sehen wollte, bzw., wenn sie es schon nicht lassen können und unbedingt arbeiten müssen, sie nicht in leitende oder gehobene Positionen zulassen will.

Prinzipiell kann davon ausgegangen werden, daß Frauen heute nach wie vor in Berufsgruppen zu finden sind, die schlechter bewertet werden und ein geringeres Berufsprestige haben als jene mit vorwiegend männlichem Anteil.291

,,Bei der Auswahl der für einen Arbeitsplatz charakteristischen Anforderungsmerkmale und deren Gewichtung orientiert sich die Arbeitsbewertung eindeutig an ,männlichen` Normen und Werten. Die Qualifikationen und Beanspruchungen, die für Frauenarbeitsplätze typisch sind, werden vielfach übersehen.``292

Die recht festgefahrene Trennung des Arbeitslebens in Männer- und Frauenarbeit erschwert es jenen, die in klassisch männlich bzw. weiblich konnotierten Bereichen Fuß fassen wollen, hierfür aber das ,,falsche`` Gender aufweisen. Es wird angenommen, daß zwischen Männlichkeit und Technik eine enge Verbindung bestünde, was dabei jedoch ignoriert wird, ist, daß

,,bereits die bloße Definition der Technik bzw. Technologie [...] auf männlichen Vorurteilen [beruht].[...] Auf diese Weise wird das Stereotyp der technisch unwissenden Frau reproduziert.``293

Wajcman spricht davon, daß Beherrschung von Technik in der westlichen Gesellschaft deshalb einen so großen und mythologisierten Stellenwert besitzt, weil damit die Möglichkeit zur Gestaltung der Zukunft einherschwingt.294

Neue Branchen, wie z. B. die Computerbranche hätten mit ihrem Aufkommen ursprünglich das Potential gehabt, zu jenen Bereichen zu zählen, wo es möglich gewesen wäre, Gender-Segregation zu vermeiden.295 Doch auch in diesem Bereich hat sich die Gleichsetzung von Computer mit Naturwissenschaft und Technik (also männlich besetzte Gebiete) durchgesetzt, ein Mechanismus, der u. a. auch auf die geschlechterstereotype Computerbenutzung in Schulen gefördert wird.296

Das analysierte Bild kann, aus dem gesamten Materialpool, als eines der wenigen angesehen werden, wo eine Frau tatsächlich in einer Arbeitssituation abgebildet ist und sich nicht nur dekorativ neben oder auf einem Tisch räkelt.297 Somit könnte auf den ersten Blick angenommen werden, es hätte ein gewisses Umdenken stattgefunden und Frauen würden von der Werbung auch als berufliche Partnerinnen wahrgenommen werden. Tatsächlich wird jedoch durch die verwendeten Symbole, Gesten und Körpersprache nach wie vor das übliche Dummchen-Image (zwar gut verpackt) von Frauen zum Vorschein gebracht. Das heißt, selbst wenn Frauen in Berufe vordringen, in welchen sie formal gleichgestellt sind, wird transportiert, daß sie mehr Hilfe benötigen als Männer in der gleichen Position. Durch das Absprechen von Kompetenz und die Darstellung von Frauen in unterlegener Symbolik wird weiterhin Polarisierung der Geschlechter vorangetrieben. Insofern ist das analysierte Bild auch wieder eine jener Inszenierungen,

,,in denen Männer Frauen belehren, wo`. langgeht, und sie anweisen, was sie zu tun haben. [...] [A]lle diese Geschichten sind rückwärtsgewandt. Sie übertreiben und ,hyperritualisieren` die bestehenden Geschlechterverhältnisse bzw. die Eigenschaften in Richtung Vergangenheit, bzw. schlimmer noch [...] in Richtung rückschrittlicher Ideologie.``298

Dieses Bild von Männern und Frauen, das sich in der realen Arbeitswelt niederschlägt, spricht Bände: Unselbständig Erwerbstätige wurden 1995 beinahe zu einem gleichen Prozentanteil von Frauen (90%) wie Männern (89%) gestellt. Die geschlechtsspezifischen Unterschiede sowohl bei Angestellten wie auch Beamtinnen zeigen sich an den Verteilungen in der obersten Hierarchieebene: nur 4,6% der Angestellten und Beamtinnen dringen in leitende oder führende Positionen vor (der Anteil der Männer ist etwa viermal so hoch).299 Frauen werden nur in klassisch weiblich konnotierten Bereichen als legitime Führungskräfte angesehen, in anderen Bereichen stoßen Frauen meist an die sprichwörtliche gläserne Decke - das Phänomen, daß Frauen in der Berufshierarchie bis zu einem bestimmten Punkt und dann nicht weiter kommen.300

Eine Frau, die dennoch beruflichen Erfolg anstrebt, wird von ihrem beruflichen Umfeld - Männern wie Frauen - genau beobachtet. Nicht ihre Kompetenz und ihre berufliche Qualifikation ist alleine ausschlaggebend, auch ihr Äußeres wird einer genauen Bewertung unterzogen. Der Ambivalenz, nicht sexuell, aber dennoch feminin zu sein, Androgynität mit klassischen Weiblichkeitsklischees zu paaren, standzuhalten und die entsprechende Balance zu halten, das wird erwartet und auch im analysierten Bild vermittelt.


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